Medienberichte

Bettwanzen auf dem Vormarsch - und nichts kann sie stoppen

Quelle: www.tagesanzeiger.ch / 14.09.2009


Sie leben in den Falten und Spalten von Matratzen, Sofas und Decken. Und ernähren sich von menschlichem Blut. Auch in der Schweiz haben Bettwanzen «extrem» zugenommen.

Sie haben Studentenwohnheime, Krankenhäuser, Obdachlosenunterkünfte und billige Hotels von New York bis Wengen befallen. Die Bettwanzen breiten sich derzeit in der ganzen Welt so stark aus wie zuletzt vor dem Zweiten Weltkrieg. Die US-Umweltbehörde hat deshalb zu einem «Bettwanzen-Gipfel» geladen.

Der Tagungsort, das Sheraton Crystal City Hotel in Arlington, ist dem Vernehmen nach bettwanzenfrei. So können wenigstens die Konferenzteilnehmer ruhig schlafen.

 

Kaum noch effektive Mittel

 

Die kleinen rotbraunen Insekten sind aber offenbar für immer mehr Hotelketten, Vermieter und Wohnungsbehörden ein grosses Problem. Immer öfter melden sich besorgte Bürger. Ein Problem sind die Bettwanzen auch deshalb, weil es kaum noch effektive Mittel gegen sie im Handel gibt. Die Pestizide, die früher eingesetzt wurden, wie zum Bespiel DDT, sind inzwischen aus Umwelt- oder Gesundheitsgründen verboten.

Das bestätigt auch Kammerjäger Roman Dändliker von der Firma Biozida im zürcherischen Aathal gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Dass weniger gespritzt wird, könnte in seinen Augen einer der Gründe für die «extreme Zunahme» der Bettwanzen in der Schweiz sein. Der andere mögliche Zusammenhang sei die veränderte Mobilität der Gesellschaft. Dändliker: «Gerade Backpacker schlafen mal eine Nacht hier, eine dort, reisen kurz nach Australien, dann nach Asien und so weiter.» So würden Bettwanzen in den Rucksäcken schneller verbreitet.

 

Mehrere Fälle pro Monat

 

Seine Firma Biozida habe zu Beginn vor 14 Jahren einen Bettwanzen-Fall pro Jahr behandelt. «Mittlerweile sind es mehrere pro Monat», so Dändliker. Diese Zunahme sei «wirklich extrem».

Auch Schweizer Hotels kennen das Problem. «Es ist verständlich, dass sich Hotelmanager nicht zum Thema Bettwanzen äussern möchten», erklärte Marcus Schmidt, Agronom und Berater der Schädlingsbekämpfungstelle der Stadt Zürich fest, letzten Herbst der «Hotel Revue». Doch die Tierchen hielten sich hartnäckig und vermehrten sich zusehends, schrieb das Fachblatt.

 

Die Bettwanzen seien weltweit wieder auf dem Vormarsch, sagt die Insektenkundlerin und Bettwanzenexpertin Dini Miller von der Universität Virginia. Bis 2001 kannte sie die Wanzen von 50 Jahre alten Mikroskop-Aufnahmen. Jetzt bekommt sie jeden Tag mehrere Anrufe von Menschen, die nicht mehr weiter wissen. «Ich kann ihnen gar nicht sagen, wie viele Menschen die Nacht in der Badewanne verbracht haben, weil ihnen die Bettwanzen den letzten Nerv geraubt haben», sagt Miller.

Die Bettwanzen übertragen, so weit bekannt, keine Krankheiten. Aber es kann durch die Bisse zu allergischen Reaktionen kommen, da die Insekten eine Substanz absondern, um den Blutfluss in Gang zu bekommen und eine Gerinnung zu verhindern.

 

 

Bettwanzen auf dem Vormarsch

Quelle: www.blick.ch / 19.02.2008

 

BERN. Kammerjäger rücken wegen Bettwanzen zehnmal häufiger aus als noch vor zehn Jahren.

Die Zeiten, in denen sich nur Besucher von schmuddeligen Jugis mit den biestigen Krabbeltierchen plagten, sind vorbei: «Von Backpacker-Unterkünften bis hin zu Viersterne-Hotels, es betrifft alle», sagt Roman Dändiker, Kammerjäger und Geschäftsführer der Firma Biozida. «Hatte ich vor zehn Jahren nur zwei Fälle pro Jahr, sinds nun zwei Fälle pro Monat», sagt Dändiker, der in der ganzen Schweiz Jagd auf ungebetene Insekten macht – auch in Privatwohnungen.

Wer denkt, dass mangelnde Hygiene der Grund ist, liegt falsch: «Die Leute reisen vielmehr und schleppen die Tiere ein.» Und dann kriechen die fünf Millimeter kleinen Insekten nachts aus ihren Verstecken und fallen über ihre schlafenden Opfer her. Die Folge: rote Pusteln und Juckreiz. Meist haben die Stiche keine gesundheitlichen Folgen, in seltenen Fällen können sie Unwohlsein auslösen.

Um den Tierchen den Garaus zu bereiten, reichen gängige Insektensprays nicht, da muss der Fachmann her: «Oft sitzen sie in Ritzen und sind mit blossem Auge fast nicht zu erkennen», sagt Dändiker. Sogar für Kammerjäger sei es eine Herausforderung, ein Zimmer von den biestigen Dingern zu befreien.